Erfahrungsbericht eines Neulings: „Kommunizieren ist das A und O“

Dominik Schweiger (22) ist der erste gehörlose Schiedsrichter beim FC Bayern. Im Mai 2016 hat er seine Schiri-Prüfung erfolgreich abgelegt und blickt im Gespräch mit Julian Priebe auf seine ersten Einsätze zurück. Dabei begegnete er natürlich besonderen Herausforderungen in einem Sport, bei dem es auch in unteren Ligen und im Juniorenbereich oft sehr laut und hektisch zugeht. 

Frage: Du bist sehr sportlich, spielst Tennis, Basketball und Fußball. Wieso wolltest du Fußball-Schiedsrichter werden?

Dominik: Ich bin fußballverrückt und hab eine neue Herausforderung gesucht. Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen, als nur hobbymäßig gegen den Ball zu treten oder ins Stadion zu gehen. Und ich wollte mit Leuten zu tun haben. Das habe ich auf dem Platz - ob ich will oder nicht (lacht).

Die meisten Schiedsrichter erinnern sich an ihr erstes Spiel. Wie war es bei Dir?

Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war. Es war ein U17-Spiel in der Juniorinnen-Bezirksliga - München Solln gegen FC Ingolstadt. Rudi Maurer ist mein Mentor und hat mir viele Tipps gegeben. Beim dritten Spiel war er schon so zufrieden, dass er nicht mehr viel anzumerken hatte. Ich habe mich seinetwegen schnell entwickelt.

Wieso hat  Dich veranlasst, zu den Schiris des FC Bayern München zu wechseln?

Ohne Verein, ohne Unterstützung geht es nicht. Ich bin gehörlos und habe einen großen Wissensdrang. Der Verein unterstützt mich großartig darin, Fortbildungen zu bekommen, bietet eigene Schulungen an, ist menschlich top. Ich wurde gut aufgenommen. Es war die richtige Entscheidung.

Spielt Deine Gehörlosigkeit eine Rolle beim Pfeifen?

Ich fühle mich sehr wohl auf dem Platz und möchte zu einem fairen Spiel beitragen. Ich schildere den Trainern vor dem Spiel meine Situation. Ich trage Batterien, die mich beim Hören unterstützen. Bisher sind sie einmal ausgefallen, aber ich kann gut lippenlesen. Die Spieler sollen während des Spiels nicht viel diskutieren, sondern spielen (lacht). Ich bin auch nur ein Mensch und mache Fehler, so wie die Spieler einen Ball auch nicht immer richtig annehmen können. Ich kommuniziere viel mit den Spielern, da kommen gar nicht erst Konflikte auf. Außerdem nehme ich Körpersprache sehr gut wahr. Auswechslungen werden mir vom Spielführer angezeigt, das hat sich bewährt.

Welche besonderen Momente hast Du in Deinem ersten halben Jahr als Schiri erlebt?

Da waren schon recht viele dabei. Zunächst einmal bin ich stolz darauf, noch keine glatte Rote Karte gezeigt zu haben. Bei der Deutschen Meisterschaft Futsal der Gehörlosen durfte ich bereits 12 Spiele pfeifen, darunter das Spiel um Platz 3 und das Finale. Da konnte ich mit den Spielern noch mal ganz anders kommunizieren als andere Schiedsrichter. Vor 250 Zuschauern zu leiten, ist ein Traum. Und das im ersten halben Jahr. Ich bin zufrieden mit dem Start. Zudem habe ich in Portugal an einer Fortbildung für Europas gehörlose Schiedsrichter teilgenommen. Ich war einer von zwei Deutschen vor Ort. Da ging es darum, wie wir Gehörlosen zu den anderen Schiedsrichtern gleichberechtigt aufgestellt sein können. Zum Beispiel bekommen wir bei Champions-League-Spielen bei den Gehörlosen noch keine Unterstützung vom Verband. Es war schon etwas Besonderes, dort den Vize-Präsidenten des portugiesischen Verbandes José Ferreira sowie den FIFA-Schiedsrichter Luciano Goncalues getroffen zu haben - sehr inspirierend.

Es geht in die Rückrunde. Was sind Deine Ziele?

Ich bin bereit für noch mehr Herausforderungen. Ich hoffe, höhere Ligaeinsätze zu erhalten und insgesamt dadurch mehr Verantwortung zu übernehmen und mich weiterzuentwickeln.