März 2017:

Tatort 1. Liga Kroatien in Split:  Ein vermummter und mit einer Eisenzange bewaffneter Hooligan ist bei der kroatischen Partie Hajduk Split gegen HNK Rijeka auf das Spielfeld gestürmt und hat den Schiedsrichter gejagt.

November 2016

Tatort Fußball-Kreisliga C in Essen: Nach einer Roten Karte jagen Spieler eines Vereins den Schiedsrichter und gegnerische Spieler. Es gibt Verletzte. 

März 2017

Tatort Emsland: Die Schiedsrichter streiken für ein Wochenende. Ein ‚Fan‘ eines Bezirksligisten war nach einem Spiel auf den Schiedsrichter zugelaufen und hatte diesen angeschrien, die ‚Schiedsrichter gehörten alle vergast‘. Wegen einer Lücke in der Verbandsgerichtsbarkeit konnte dieses Vergehen nicht entsprechend wie  z.B. Pyrotechnik geahndet werden.

März 2017

Tatort Senioren Fußball (Freundschaftsspiel der Ü 40)  in München: Ein Trainer schreit über den ganzen Platz zu seinem Mannschaftsbetreuer: ‚Wenn der Schiedsrichter noch einmal zu uns kommt, sage ich alle Spiele ab‘.

Diese vier Meldungen aus jüngster Zeit sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was wöchentlich auf unseren Fußballplätzen passiert. Vom Profifußball bis hinunter zu den niedrigsten Klassen, bis in den Bereich der Ü 40, in dem man eigentlich Gelassenheit erwarten sollte. Wenig  Respekt und Toleranz gegenüber den Schiedsrichtern, die, wie die Spieler auch, eigentlich nur ihr Bestes auf dem Platz geben wollen. Während jedem Spieler im Laufe eines Spieles der eine oder andere Fehlpass unterläuft, Kopfballduelle und Zweikämpfe verloren werden, das leere Tor verfehlt und gelegentlich sogar Eigentore erzielt werden – dem Schiedsrichter wird kein Fehler mehr verziehen. 

Wie wollen Spieler und Betreuer eine souveräne Schiedsrichterleistung erwarten, wenn praktisch ab dem Anpfiff viele Entscheidungen der Referees als (vermeintliche) Fehlentscheidung lautstark kritisiert werden? Dieses Verhalten trägt in keiner Weise zur Verbesserung der Schiedsrichterleistung bei, eher zu steigender Verunsicherung und daraus resultierenden weiteren Fehlern.

Natürlich steckt oft unterschwellig die Taktik dahinter, den Schiedsrichter auf einen Fehler hinweisen zu wollen, damit er diesen vermeintlichen Fehler in der nächsten kniffligen Situation durch eine Entscheidung zugunsten der eigenen Mannschaft wieder ‚korrigiert‘. Ob das aber nun im Sinne des Sports und der allgemeinen Fairness ist, mag bezweifelt werden.

Gerade in den unteren Ligen, den Jugendspielen und auf Kreisebene gibt es nur einen Schiedsrichter. Keine Assistenten an den Seiten und Torlinien (und selbst denen passieren Fehler). Es ist schlichtweg unmöglich, daß dieser Allein-Schiedsrichter jede Situation richtig bewertet, jedes Abseits richtig erkennt. Nur haben hier Spieler, Betreuer und Zuschauer eine völlig falsche Erwartungshaltung. Egal in welcher Spielklasse, egal wie erfahren oder wie jung ein Schiedsrichter ist: Von jedem Schiedsrichter wird einfach eine absolut fehlerfreie Spielleitung erwartet.

Leider sind Woche für Woche gerade Trainer und Betreuer in den Profiligen schlechte Vorbilder. Fast jede Entscheidung wird kritisiert, ständig rennt man zum 4. Offiziellen oder dem Assistenten, um diesen auf die vermeintlichen Fehler des Gespanns aufmerksam zu machen.  Eine der wenigen löblichen Ausnahmen ist tatsächlich Carlo Ancelotti. Seine Ruhe und Gelassenheit würde man vielen seiner Kollegen zum Wohle des Fußballs wünschen. 

Negativer Höhepunkt war kürzlich Paris St. Germain. Nach dem 1:6 in Barcelona und dem damit verbundenen Ausscheiden in der Champion’s League wurde wenige Tage später der UEFA eine Liste mit 15 vermeintlichen Fehlern des Gespanns vorgelegt. Natürlich hat das Team um Schiedsrichter Aytekin in manchen Situationen dieses extrem hektischen Spiels die eine oder andere zumindest fragwürdige Entscheidung getroffen. Nur – an den meisten Gegentoren waren die Spieler von PSG selbst schuld, nicht der Schiedsrichter. Wem nützt solches Nachkarten? 

Irgendwann wird es keine Bundesliga-Spiele mehr geben. Warum? Weil wir keine Schiedsrichter mehr haben werden. In Deutschland ist die Zahl der Schiedsrichter in den letzten 5 Jahren um ca. 10 % geschrumpft. Mit großem Aufwand wirken wir dem inzwischen entgegen. Schicken erfahrene Schiedsrichter als Paten zu den Spielen unserer Jungschiedsrichter. Schicken Beobachter zu solchen Spielen, bei denen es erfahrungsgemäß zu Problemen kommt, um hier an den Seitenlinien für Ruhe zu sorgen. Dennoch beendet rund die Hälfte der Absolventen eines Neulingskurses innerhalb von 4 Jahren ihre Schiedsrichter-Tätigkeit. Weil sie sich diese ständigen Anfeindungen einfach nicht Woche für Woche antun müssen. Die unteren Jugendklassen können heute schon nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden.

Irgendwann bricht damit die Basis weg, aus der heraus wir die späteren Bundesliga-Schiedsrichter hervorbringen müssen. Es ist höchste Zeit, dieser Entwicklung massiv entgegenzuwirken und flächendeckend dafür zu sorgen, daß die Schiedsrichter wieder in Ruhe und Anerkennung  ihrer Tätigkeit auf dem Platz nachkommen können. Zum Wohle des gesamten Fußballs.